Leichte Sprache

Tagung: Das Museum im Digitalen Zeitalter (WIen)

Vom 16. bis zum 20. Januar 2023 fand im Wiener Belvedere 21 die diesjährige Tagung zum Theme "Das Museum im digitalen Zeitalter" statt. Unser Direktor Fabian Müller-Nittel leitete dabei den Workshop zum Thema "VR in Kunstmuseen. Narrative und vermittlungstechnische Potenziale". Hier finden Sie die zentralen Ergebnisse.

Die Diskussionen in den beiden aufeinander folgenden Tischgruppen des Workshops waren sehr unterschiedlich. In der ersten Runde ging es vor allem um die Frage, inwieweit VR-Arbeiten bzw. VR-Kopien Ersatz oder Erweiterung des physischen Originals sein können oder sollen. Die Diskussion ging bis hin zur kritischen Auseinandersetzung mit der ethisch-moralischen Grundsatzfrage nach der „Aura“ des Originals. Deren Verlust durch die Digitalisierung wurde zwar von einigen prognostiziert, blieb aber in der Minderheit. Insgesamt überwogen die Vorteile, die insbesondere in der Möglichkeit gesehen wurden, auch große und/oder fragile Originale digital ausleihen, präsentieren und vermitteln zu können. Darüber hinaus wurden die Vorteile der möglichen Barrierefreiheit im digitalen Raum durch die einfache Bereitstellung zusätzlicher Vermittlungsinhalte, eines breiten Sprachangebots und inklusiver Vermittlungstechniken diskutiert.

Interessanterweise knüpfte die zweite Runde an diesem Punkt an, ohne die vorherige Diskussion zu kennen. Hauptthema war diesmal direkt das Problem der Barrierefreiheit und es wurde kritisch hinterfragt, ob die Notwendigkeit technischer Geräte, das technische Grundverständnis und die Bereitschaft, sich auf digitale Inhalte einlassen zu wollen und zu können, sowie die Konsequenz der unvermeidlichen Trennung der einzelnen Nutzer*innen in der VR nicht ein zu hoher Preis seien. Daraus ergab sich die nächste Grundsatzdiskussion, ob man als Museum überhaupt Inhalte anbieten darf, die einzelne Publikumsgruppen definitiv ausschließen. Daraus ergaben sich weitere Fragen nach der moralischen Verpflichtung musealer Kulturinstitutionen, in deren Folge den technischen, sprachlichen und physischen Barrieren die inhaltlichen Barrieren gegenübergestellt wurden, die Dauer- und Sonderausstellungen bis heute innewohnen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass am Beispiel der aktuellen Einsatzmöglichkeiten von Virtual Reality in Museen kuratorische und vermittlungstechnische Möglichkeiten und Probleme gebündelt auftreten, die in der Vergangenheit – als sie nur den physischen Raum betrafen – zeitlich versetzt auftraten und sukzessive gelöst werden konnten. Die Herausforderung besteht nun darin, Barrierefreiheit, Inklusion, Partizipation und all die anderen Aspekte einer zeitgemäßen und zukunftsfähigen Museumsarbeit angesichts der rasanten technischen Entwicklungen im digitalen, vor allem aber im analog-digitalen Kollektivraum quasi ad hoc lösen zu müssen, wenn wir den berechtigten gesellschaftlichen Ansprüchen (endlich) gerecht werden wollen.

 

27.02.2023